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NICHT NUR ZUR WEIHNACHTSZEIT
Theater zum Mitmachen und Mitwachsen
Eines (nicht so schönen) Sommertages im Jahr 1974 möchte Renate Fritz-Schillo mit ihrer 5-jährigen Tochter Suzanne ins Theater gehen und fahndet in Mainz und Umgebung nach einem Kinderstück. Vergeblich. Vor Dezember ist einfach nichts drin.
„Warum eigentlich immer nur üppig ausgestattete, unpersönlich-distanzierte Weihnachtsmärchen?“, fragt sich die geknickte Mutter und spinnt den Faden weiter: Theater zum Anfassen müßte es geben, spannend, fantasievoll, frech, pfiffig und unangepaßt, mit einfachen, nachspielbaren Mitteln realisiert, mit kindgerechten Lerninhalten und mit Stücken, die zur kindlichen Seele vorstoßen und auch die Erwachsenen nicht „außen vor lassen“, mit Darstellern und Regisseuren, die nicht nur auch, nein, die gerade für Kinder arbeiten, also Theater, das bei den Kids erst gar keine kulturellen Hemmschwellen aufbaut und so sukzessive heranführt an das „große“ Theater... Und das alles - natürlich - nicht nur zur Weihnachtszeit, sondern auf das ganze Jahr verteilt!!!
Ja, warum eigentlich nicht.
Ein Riesenproblem löst Renate Fritz-Schillo im Handumdrehen: Sie ist Mitinhaberin des unterhaus. Ein Kleinkunst-Theater auch für Kinder, das isses! Schnell hat sie die beiden anderen unterhäusler von ihrer Idee überzeugt.

Ruhe im Karton! heißt 1975 die erste unterhaus-Kindertheater-
produktion für Menschen ab 6 Jahre, ein typisches Grips-Mitmach-“Gebrauchs“-Stück von Volker Ludwig und Stephan Reisner, bundesdeutscher Familienalltag (Vater, Mutter, 2 Kinder, ein Nachbarsjunge) kabarettistisch überspitzt. Im Nu springt der Funke über - die Minis sind voll dabei.
Kurze Zeit später engagiert Renate Fritz-Schillo für die ganz kleinen unterhaus-Gäste ab 3 Jahre mit gezieltem Späherblick das
klappmaul-Theater aus Frankfurt, das mit seinen Geschichten, Figuren und Handpuppen, gefertigt aus Gegenständen des alltäglichen Gebrauchs, die Herzen von Klein und Groß im Sturm erobert.

Aber zum Konzept des Mitwachsens gehört genauso das schwere Unterfangen, ein spezielles Angebot für Jugendliche ab ca. 13 Jahre zu schaffen - mit Inhalten, die wirklich anmachen und interessieren, direkt betreffen und dazu den Blick für gesellschaftsrelevante Ereignisse schärfen. Ohne den ätzenden (pädagogischen) Zeigefinger, versteht sich!
Auch dieses Projekt wird realisiert. 1979 steht das
Bravo Girl auf der unterhaus-Bühne, ein Stück vom vermeintlich großen Glück der ungelernten Arbeiterin Inge, die sich als „Hallo-Girl“ bewirbt und von den Machern der bekanntesten Jugendzeitschrift nur für deren Zwecke benutzt wird.

Theater zum Mitmachen und Mitwachsen: Fast 27 Jahre sind inzwischen vergangen, und die Anfang 1975 ausgestreute Saat ist aufgegangen. Ein breites Themenspektrum für alle Altersgruppen begeistert Eltern und ihre Sprößlinge, Lehrer und Schüler gleichermaßen. Ein wichtiger Aspekt für den überwältigenden Erfolg des Fritz-Schillo-Konzeptes ist dabei immer wieder das große Engagement aller Beteiligten, vom Regisseur über die Schauspieler bis hin zu Ausstattern, Bühnenbildnern, Technikern und anderen „guten Geistern“, und natürlich der Versuch, authentisch zu besetzen: im unterhaus werden Kinder von Kindern gespielt, Jugendliche spielen Jugendliche.



Faust und Gretchen: Ihre Liebe ist von kurzer Dauer.
1999: „Urfaust“

So können sich die Zuschauer nachgerade mühelos mit den Akteuren identifizieren, unmöglich, wenn ein Erwachsener „nur so tut“, als sei er „süße siebzehn“.

1975 - 2001: 26 Jahre Kindertheater im unterhaus.
1979 - 2001: 22 Jahre Kindertheater im unterhaus.
Das bisher Erreichte mit wachsendem künstlerischem Anspruch weiterzuentwickeln, daran wird bis heute emsig gearbeitet.

“Jeder fängt mal an, wir machen was zusammen - wir bleiben dran!“
1975: „Ruhe im Karton“
Ein großer Tag: Gestern noch Kaulquappe, heute schon Frosch. Aber was frißt eigentlich ein Frosch? Da ist guter Rat teuer!
1975: „Ein Frosch lernt fressen“
„Cheese mußt du sagen, dann lächelst du richtig. Cheese!“
1979: „Bravo Girl“