Impressum | Datenschutzerklärung
Willkommen im unterhaus Heute im unterhaus Newsletter Karten bestellen Das Theater Das Programm Kinder- und Jugendtheater entree Deutscher Kleinkunstpreis Förderverein Forum Kontakt
+++ *+*+ Programm 1/2018 als pdf zum Download *+*+ +++ unterhaus im Fernsehen +++ 50 Jahre unterhaus im Internet +++ 50 Jahre unterhaus im Hörfunk und Fernsehen +++ Neuer Online-Shop freigeschaltet +++ unterhaus in facebook
Facebook studiVZ mySpace
Ein Platz für Satire
35 Jahre Mainzer Forum-Theater unterhaus
Jeden Abend läutet die Glocke, die Hanns Dieter Hüsch von seiner gekenterten "arche nova" 1971 ins unterhaus-Foyer hängte, die Vorstellungen ein und signalisiert: Aufgepaßt, hier ist's nicht angepaßt!

Die unterhaus-Glocke - ein adäquates Symbol für den DEUTSCHEN KLEINKUNSTPREIS, den die unterhäusler Artur Bergk, Renate Fritz-Schillo und Carl-Friedrich Krüger 1972 ins Leben riefen, als Kabarett und Kleinkunst wieder einmal totgesagt wurden.
Jedes Jahr - immer am ersten Sonntag nach Rosenmontag - werden die "glöcklichen" Gewinner in den Sparten Kabarett, Chanson/Lied/Musik, Kleinkunst und mit dem Förderpreis der Stadt Mainz zum DEUTSCHEN KLEINKUNSTPREIS ausgezeichnet. Die Preisverleihung findet im Mainzer Forum-Theater unterhaus statt.

Aber drehen wir die Zeit zurück!
Der junge Redaktionsassistent in der Abteilung Kabarett des ZDF, Ce-eff Krüger beschließt, selbst Kabarett zu machen, knallhart und ohne Kompromisse. Er beantragt bei seinem Arbeitgeber eine Genehmigung für eine ehrenamtliche Nebentätigkeit, die ihm auch umgehend erteilt wird. Stante pede rast er zur "Allgemeinen Zeitung Mainz" in die Feuilleton-Redaktion und erklärt unter Zeugen: "Ich will in Mainz ein kleines Amateurkabarett aufziehen!" Prompt titelt die Zeitung am 14. August 1965: "Die Poli(t)zisten oder Geburt eines Kabaretts".
Diesen Artikel liest das Ensemble des "Kleinen Theaters" in Mainz-Gonsenheim, dem auch die Schauspielerin Renate Fritz-Schillo angehört. Begeistert von der Idee wird der Krüger-Plan in die Tat umgesetzt.

"Hier stehen wir, Spott helfe uns!", schmettern am 31. Januar 1966 die "Poli(t)zisten" in der "Katakombe", einer Jazz-Kneipe in der Kaiserstraße. Immer Mittwochs! Mit Riesenerfolg. Als deshalb die Truppe zweimal wöchentlich spielen möchte, spielen die "Katakomben"-Wirte nicht mit, weil die Gäste viel Kunst, aber wenig Bier konsumieren.
Zufälligerweise gibt es in Mainz ein zweites Kabarett, die "R(h)ein-Re(e)der", stolze Besitzer eines zum Theater umgebauten Kellers am Gutenbergplatz unterm "Hähnchenparadies" Wienerwald. Was liegt näher, als zu fusionieren, weil deren Programm nicht nur "50 Grad örtlicher Pleite" heißt... Gesagt - getan: Ein DreierKollegium übernimmt die Leitung. Doch wie soll das Kind heißen? "Hühnerstall"? Gar "Mausefalle"? Quatsch! "unterhaus". Ins Oberhaus wird man hineingeboren, ins Unterhaus muß man gewählt werden.
Danach geht's drunter und drüber. "Platonische Hiebe" nennen die "Poli(t)zisten" ihr 2. Programm und teilen ebensolche aus - nicht nur programmatisch. Konträre Diskussionen über Sinn und Zweck des Kabaretts entzweien das Triumvirat. Erste Gastspiele von Hanns Dieter Hüsch, Manolo Lohnes, Franz Josef Bogner... sind die (Not)Lösung. Zu spät: Ce-eff Krüger und Renate Fritz-Schillo steigen aus.
Bis 1969 der verbliebene Rest das Handtuch wirft und Victor Fritz, Ehemann der Renate Schillo, seiner Frau das unterhaus kauft - für 1.500 DM ... in Raten. Und sofort brechen die frischgebackenen Theater-Besitzer ihren Schwur: "Nie wieder ein eigenes Theater, vor allem nie wieder zu dritt!" - Artur Bergk heißt der "dritte Mann".

Am 3. September öffnet ihr Nonprofit-Unternehmen seine Pforten. Die Stadt Mainz läßt sich nicht lumpen und beteiligt sich an dem Neustart mit 1.000 DM, die Blödeltruppe "Insterburg & Co." zeigt "Faust", Auftritte von Hannes Wader, Schobert & Black, Reinhard Mey, immer wieder Hanns Dieter Hüsch... sowie aufsehenerregende Theater-Eigeninszenierungen folgen.

Bis in der Silvesternacht 1970/71 ein Rohrbruch alle Pläne vereitelt. Feste Feiern? Nix da. Die unterhäusler stehen "voll in der Scheiße": Die Presse berichtet, das Ordnungsamt erscheint, entdeckt baupolizeiliche Mängel - es fehlt beispielsweise ein Notausgang - und verfügt die Schließung des unterhaus.
Aus der Traum? Mitnichten! Die unterhäusler avancieren zu underground-Spezialisten und inspizieren Kohlen-, Luftschutz-, Wein-, Party- und andere Keller.
Das hört ein Architekt und preist seinen in der Walpodenstraße 6 an: "Hier können Sie eine Kanone abfeuern, ohne daß es jemand hört!" Das Gewölbe wird mit großzügiger Unterstützung der Stadt Mainz zum Theater ausgebaut, mit ca. 150 Plätzen, Garderobe, Toiletten, Kasse, Technik, Bar ... und Notausgang!
"Über die Kunst, ein Theater zu eröffnen", reflektiert Hanns Dieter Hüsch und hebt das neue Domizil aus der Taufe; wenig später beschließt der Mainzer Stadtrat, das unterhaus zu subventionieren. So ganz "nebenbei", neben ihren bürgerlichen Berufen, können die unterhäusler jetzt die Arbeit nicht mehr schaffen. Artur Bergk, Tontechniker beim ZDF, entschließt sich schweren Herzens, seinen Job zu kündigen und übernimmt als erster hauptamtlicher Mitarbeiter die Geschäftsführung, Künstlerbetreuung, Werbung, Abrechnung, Plakatverteilung ..., und abends steht er fröhlich hinter der Bar, läßt die Flaschen tanzen und "fährt" die Technik.



Die Idylle trügt. "Kanonen abfeuern"? Pustekuchen. Die Be- und Anwohner, sanft aus Morpheus Armen gerissen, protestieren massiv gegen die Lärmbelästigung. Abermals gehen die unterhäusler "auf Achse"...
...doch das Gute liegt so nah! Denn der neue Besitzer des Nachbarhauses Walpodenstraße erkundet derweil sein Hab und Gut und entdeckt einen bis dato zugemauerten, ungenutzten Weinkeller. Die Lösung!

Das "große" Haus kann durch eine Verbindungstür mit dem "kleinen" Haus verquickt werden; der Eingang liegt in der Münsterstraße, davor ein begrünter Platz - im Besitz der Stadt, die dem unterhaus das Wegrecht einräumt.
"Seht, das Haus ist angerichtet", verkündet Hanns Dieter Hüsch am 10. September 1978.
Die neue Konzeption kann sich sehen lassen: täglich zwei Programme in zwei Theatern - unter einem Dach! Das unterhaus und das unterhaus im unterhaus verfügen zusammen über ca. 500 Plätze und bieten Auftrittmöglichkeiten für die Kleinkunst-Größen und solche, die es werden wollen. Das Angebot wird erweitert um Jazz-Veranstaltungen, Matineen, Lesungen, Talk-Shows, Nachwuchs-Förderung (Sprungbrettl, Trampolin)... und um das Kinder- und Jugendtheater. Theater zum Mitmachen und Mitwachsen - nicht nur zur Weihnachtszeit, diese Idee verfolgt Renate Fritz-Schillo bis heute konsequent mit ihren engagierten Produktionen.
Das alles aber hat seinen Preis. Die Unkosten sind immens... Im Herbst 82 umkreist drohend der Pleitegeier die Region. Kürzungen der Subventionen von Stadt und Land leiten die Katastrophe ein: Das unterhaus ist pleite!
Und wird gerettet! "Das unterhaus soll leben!" Jetzt helfen Freunde und Gäste. Herbert Bonewitz und andere Künstler geben ein Benefiz-Konzert in der Rheingold-Halle, das Publikum gründet den "Förderverein".
Ruhe im Karton? Keineswegs! Die Stadt hat Großes im Sinn in der Münsterstraße. Das erste zu beklagende Opfer 1989: die "Bar Renate". Dann rücken Bagger und Kräne an, um den idyllischen Theatervorplatz, auf dem der legendäre unterhaus-Zirkuswagen mit dem Vorverkauf steht, endgültig in eine große Baustelle zu verwandeln.

Abgründe tun sich auf! Kein Platz mehr für Satire? Viele Wege führen nach... keiner ins Theater. Eins aber ist fact: das von der Stadt garantierte Wegerecht. Eine "malerische" Holzbrücke macht den Anfang. Jahr um Jahr vergeht, so mancher Geduldsfaden reißt... Was lange währt...
Am 30. Oktober 1994 ist die neue Eingangs-Halle, das luxuriöse unterhaus-entrée dank der tatkräftigen Unterstützung durch die Stadt Mainz, durch das Land Rheinland-Pfalz, der MAG und ehrenamtlicher Helfer vollendet und wird mit viel Prominenz, natürlich Hanns Dieter Hüsch als Mann der 1. Stunde, Herbert Bonewitz als Bühnenmeister und diversen anderen Künstlern offiziell eröffnet.

unterhaus-entrée: der neue Treff für unterhaus-Gäste, Künstler, Kulturinteressierte und Nachtschwärmer mit dem neuen Vorverkauf, einem Bistro, einer Kunst-Galerie und natürlich einer 3. Bühne für Late-Night-Shows, Lesungen, Varieté, Matineen, Soireen... und einigen Überraschungen mehr.
Was ein Theater! 3 Bühnen unter einem Dach.
Und was 1966 mit den "Poli(t)zisten" begann, wird natürlich im Januar 2001 ganz groß gefeiert unter der Devise: 35 Jahre unterhaus - Ende nicht in Sicht!!!

Ute Nebel



HDH und "seine" Glocke
die Poli(t)zisten, 1966
Die frischgebackenen unterhaus-Intendanten:
Ce-eff Krüger (l), Renate Fritz-Schillo und Artur Bergk
Knackfrische (Lieder)Macher: (oben v.l.) Karl Dall, Black, Reinhard Mey, Peter Ehlebracht, Ulrich Roski; (unten v.l.) Ingo Insterburg, Schobert und Jürgen Barz
Das "große" unterhaus - VORHER!!!

Es war einmal... ein idyllischer Vorplatz mit dem unterhaus-Zirkuswagen...

Fröhliche Einweihung mit Bühnenmeister Bonewitz