Kleinkunstpreis
Der 1972 vom Mainzer Forum-Theater unterhaus erstmals verliehene DEUTSCHE KLEINKUNSTPREIS gilt als die bedeutendste Auszeichnung, die im deutschsprachigen Raum jährlich in den Sparten Kabarett, Musik, Kleinkunst und Stand-up-Comedy vergeben wird.
Den mit € 5.000,- dotierten Förderpreis zum DEUTSCHEN KLEINKUNSTPREIS stiftet die Stadt Mainz, den ebenfalls mit € 5000,- dotierten Ehrenpreis zum DEUTSCHEN KLEINKUNSTPREIS stiftet das Land Rheinland-Pfalz. Der DEUTSCHE KLEINKUNSTPREIS ist mit insgesamt € 30.000,- dotiert.
Fotos: © ZDF/ Maximilian von Lachner
Aktuelle Preisträgerinnen & Preisträger
Die Gewinnerinnen und Gewinner des Deutschen Kleinkunstpreises 2026 stehen fest. Die vom unterhaus Mainz seit 1972 verliehene Auszeichnung geht demnach an folgende Künstler in folgenden Kategorien:
Claus von Wagner
Erhält den Deutschen Kleinkunstpreis 2026 in der Sparte Kabarett
Erst ein einziger Kabarettist – Hanns Dieter Hüsch – wurde in der Geschichte des Deutschen Kleinkunstpreises zweimal in derselben Sparte ausgezeichnet. Zu seinem 100. Geburtstag bekommt das „schwarze Schaf vom Niederrhein“ nun Gesellschaft von einer „roten Socke“ aus Oberbayern: Moers meets Miesbach in Mainz. Claus von Wagner hatte bereits 2010 mit seiner spielfreudigen Seilschaft „Zwangsensemble“ den Kabarett-Olymp erklommen. Nun erobert der Münchner erneut die höchsten Ehren, diesmal im Alleingang. Die Jury würdigt damit einen Gipfelstürmer, der sich in anspruchsvolle und scheinbar humorfeindliche Regionen wagt, die andere meiden – aus Angst, ihnen könnte dort oben die lustige Luft ausgehen. Bei Claus von Wagner allerdings braucht nur das Publikum Sauerstoff, so komisch geraten seine Ausflüge in die wundersame Welt der Wirtschaft. Der akribische Aufklärer stellt sich den großen Fragen der politischen Ökonomie mit großer Neugier und einer mutigen Detailverliebtheit. Die Wucht seiner Bühnenpräsenz und sein Sinn für Situationskomik verwandeln auch schwere Stoffe in fesselnde Theaterkunst. Ja, der Mann ist eine Waffe – doch seine scharfe Analyse wird nie verletzend, weil sie sich nicht an Feindbildern abarbeitet, sondern an Fakten, die er durch die Augen genau gezeichneter Figuren sichtbar macht. Und manchmal sind es die des bisweilen verzweifelten Satirikers selbst. So werden abstrakte Probleme zu unserer persönlichen Angelegenheit.
Die jüngste Hinwendung zum Stand-up als moderner Form des satirischen Solos ist die logische Konsequenz eines Ansatzes, den man als sanfte Subversion beschreiben könnte – womit wir wieder bei Hanns Dieter Hüsch wären. Und wenn jemand solche historischen Linien im Kabarett würdigen kann, dann ist es der geschichtsbewusste Geschichtenerzähler aus München.
William Wahl
Erhält den Deutschen Kleinkunstpreis 2026 in der Sparte Musik
William Wahl erhält den Deutschen Kleinkunstpreis 2026 für seine herausragende Kunst, Sprache, Musik und feinsinnigen Humor auf einzigartige Weise zu verbinden. Mit virtuoser Leichtigkeit am Klavier, seiner wandlungsfähigen Stimme und einer präzisen Beobachtungsgabe gelingt es ihm, alltägliche Situationen in poetische, pointierte und oft zartbitterböse Lieder zu verwandeln. William Wahl versteht es dabei, sein Publikum nicht nur zum Lachen zu bringen, sondern es auch zu berühren und zum Nachdenken anzuregen – stets mit seiner unverwechselbaren Mischung aus Charme, Selbstironie und musikalischem Können. William Wahl ist wahrlich ein herausragender Komponist und Texter, sowie ein virtuoser Pianist und Sänger, kurzum: Er ist ein Liedermacher deluxe und somit der verdiente Preisträger des Deutschen Kleinkunstpreises 2026 in der Sparte Musik.
Dr. Pop (Markus Henrik)
Erhält den Deutschen Kleinkunstpreis 2026 in der Sparte Kleinkunst
Die Jury zeichnet einen Künstler aus, der die Kleinkunst zum Klingen bringt. Dr. Pop macht Musik nicht nur hörbar, sondern begreifbar – mit Humor, Präzision und Leidenschaft. Als Entertainer und promovierter Musikwissenschaftler nimmt er das Publikum mit auf eine Zeitreise durch die Melodien und zeigt, wie sie unser Leben prägen. Dabei schafft er einzigartige Bühnenmomente, die zum Lachen und Nachdenken anregen.
Seine ständig aktualisierte Musik-Comedy-Stand-Up-Show „Hitverdächtig“ ist pointiert, intelligent und verbindet Witz mit Wissen. Dr. Pop ist nicht nur ein meisterhafter Unterhalter, sondern auch ein Brückenbauer: zwischen Klassik und Hip-Hop, zwischen Schlager und Jazz, zwischen Theorie und Praxis. Er steht für die kreative Verbindung von musikalischer Bildung und inspirierender Unterhaltung. Dr. Pop besitzt die Fähigkeit komplexe Inhalte leicht zugänglich zu machen und beweist, dass Kleinkunst klug, unterhaltsam und relevant zugleich sein kann.
Abdelkarim
Erhält den Deutschen Kleinkunstpreis 2026 in der Sparte Stand-Up
„Deutscher mit Abschiebeoptik“, „marokkanische Friedentaube“, „einziger Wahlduisburger der Welt“! Auf die Frage, wer Abdelkarim eigentlich ist, gibt er selbst die besten Antworten. Der gebürtige Bielefelder mit „Migrationsvordergrund“ schaut auf sich, sein Umfeld und die ganze Welt mit ostwestfälischer Gelassenheit und analytischer Schärfe. Ob Konflikte im Nahen Osten, Homophobie oder Alltagsrassismus, den er oft selbst erlebt – seine Geschichten mitten aus dem Leben, transportieren zugleich die aktuellen Themen unserer Zeit. Mal subtil, mal schonungslos und immer mit dem großen Ziel der Völkerverständigung. Seit seinem Bühnendebüt 2007 beweist Abdelkarim wie kaum ein anderen, dass Stand-Up Comedy nicht nur witzig, sondern auch politisch und gesellschaftlich relevant sein kann! Damit hat er sich nicht nur als unverzichtbare Größe in diversen Bühnen-, Fernseh- und Satireshows etabliert, Abdelkarim hat die gesamte deutsche Stand-Up Szene mit seinem lakonisch-tiefgründigem Humor auch maßgeblich geprägt und bereichert.
Ana Lucia
Erhält den Förderpreis der Stadt Mainz zum Deutschen Kleinkunstpreis 2026
Mit Ana Lucía zeichnet die Jury eine Künstlerin aus, die mit authentischer Bühnenpräsenz, präzisem Timing und kluger Comedy die deutsche Stand-up-Szene innerhalb kürzester Zeit neu belebt hat. Ana Lucía trifft zielsicher Themen, Sprache und Humor ihrer Generation. Sie scheut keine ernsten und persönlichen Motive wie Mobbing, gesellschaftlichen Erwartungsdruck, Depression oder dem Leben mit Migrationshintergrund – Inhalte, die sie nicht neu für die Bühne erfindet, sondern um individuelle Blickwinkel erweitert. Ihre Kunst liegt darin, diesen Themen mit Ehrlichkeit und pointierter Selbstironie neue Facetten zu entlocken und ihnen mit klug gesetzten Pointen zu begegnen. Dabei nutzt sie geschickt ihre Perspektive zwischen Gen Z und Millennial, zwischen peruanischen Wurzeln und deutscher Herkunft, um mit feiner Balance zwischen Nähe und Distanz den Spaß aus den Problemen unserer Gesellschaft zu sezieren. Eine Künstlerin, die die deutsche Comedy-Szene um eine frische, kompromisslos originelle Handschrift bereichert.
Gardi Hutter
Erhält den Ehrenpreis des Landes Rheinland Pfalz zum Deutschen Kleinkunstpreis 2026
Mit Gardi Hutter zeichnet die Jury eine Künstlerin für ihr bedeutendes Lebenswerk aus, das die Kunst der Clownerie neu definiert hat. Seit Jahrzehnten hebt Hutter die Grenzen zwischen Komik, Tragik und Poesie auf und zeigt, dass eine einzige Figur – ihre unnachahmliche Clownfrau Hanna – mehr über die menschliche Seele erzählen kann als Worte. Mit radikaler Körperlichkeit, präzisem Timing und einer unerschütterlichen Bühnenpräsenz erschafft sie Momente, in denen das Publikum gleichzeitig lacht, schluckt und staunt. Von Wahrhaftigkeit anstatt von Sprache getragen, ist ihre Kunst universell verständlich. So hat Gardi Hutter Generationen von Künstlerinnen inspiriert, die Bühne zu betreten, eigene Ausdrucksformen zu finden und mutig den Raum einzunehmen. Sie ist nicht nur eine Pionierin des zeitgenössischen Clownspiels, sondern auch eine Meisterin der leisen Wucht, die weit über die Kleinkunst hinausstrahlt. Der Ehrenpreis würdigt eine Künstlerin, deren Werk bleibt: im Gedächtnis, im Herzen und in der Geschichte des europäischen Theaters.
Die Verleihung des 54. Deutschen Kleinkunstpreises findet am 14. März 2026 im Frankfurter Hof Mainz statt. Sie wird von Tobias Mann moderiert, selbst Preisträger des Deutschen Kleinkunstpreises in der Kategorie Kabarett im Jahr 2017 und Förderpreis im Jahr 2008. Veranstalter und Verleiher des Preises ist das Mainzer unterhaus.
3sat-Sendetermin ist der 22.03.2026, 20.15 Uhr.
Die diesjährige Jury bilden: Ralf Günther (Das Komikinstitut), Prof. Dr. Jürgen Hardeck (Land Rheinland-Pfalz), Uwe Heilenz (MDR), Martina Keiffenheim (Deutsches Kabarettarchiv), Dr. Dietrich Krauß (ZDF/ Die Anstalt), Jens Matthey (WDR), Daniela Mayer (COLOGNE COMEDY FESTIVAL), Nils Paulerberg (ZDF), Bernd Rosinus (SWR), Natascha Vèbre (Rosenau Stuttgart), Britta Zimmermann (unterhaus Mainz).